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In dieser Aufnahme von Eva Stadler aus der Oasenstadt Nizwa im Oman treffen zwei ganz unterschiedliche Zeiten und damit auch zwei fundamental geschiedene Welten visuell und semantisch aufeinander.

Sie heben sich gegenseitig nicht auf, sondern überlagern sich zu einem widersprüchlichen und spannenden Dialog: Am Ende eines langen Tages in der touristisch erst kürzlich erschlossenen Oasenstadt steht der staubbedeckte und handbemalte VW-Bus vor der spätmittelalterlichen Festung Nizwa. Nicht nur seine Farbe ähnelt dem Fort, auch das Dach des Buses imitiert die Zinnen des baulichen Meisterwerks — und doch könnten beide Bildteile inhaltlich nicht stärker voneinander getrennt sein. Während der VW-Bus die Anstrengungen des Einzelunternehmers zeigt, der vom Tourismus lebt, und damit pars pro toto die eines ganzen Landes, steht das Fort für eine jahrhundertlange Abwehr fremder Interessen und Zugriffe. In einer globalisierten Welt kann man nicht mehr siedendes Dattel-Öl auf Fremde gießen, will uns Stadlers Bild sagen, indem die bedrohlichen Mauern in den Hintergrund rücken und der müden Ruhe des Erwerbslebens weichen. In einer globalisierten Welt umschmeichelt man –auch in einem absolut monarchistischem Sultanat– Touristen mit einem Warenangebot, das sie kennen, wollen und wofür sie harte Währung zahlen.

Erst in den letzten Jahren hat sich im Oman ein staatlich geförderter Tourismus entwickelt, der sich an internationalen Standards messen lassen muss und doch nicht mit ihnen Schritt halten kann oder mag. Diesen Zustand hat Eva Stadler sehr treffend festgehalten. Der Eiswagen mit seiner leicht verblichenen Werbung und seinen heruntergefahrenen Reifen zeugt sehr sensibel von einer Modernisierung, die schon alt aussieht, bevor sie wirklich alt ist. Diese Widersprüche machen den besonderen Charme und die Qualität des Fotos aus. Ansichtig wird man in Stadlers visueller Verdichtung einem durch die Globalisierung induzierten kulturellen Wandel, der dem westlichen Betrachter in der Regel verschlossen bleibt.

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