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Fabian Kraffczyk: Living in Soweto (2009)

1111Was wie eine beiläufige Alltagsbeobachtung des Fotografen Fabian Kraffczyk aussieht, ist – schaut man sich die Aufnahme genauer an – eine Miniatur der Fragen zum Zustand Südafrikas nach dem Ende der Apartheid. Interessant ist dabei sicher, dass die Arbeit diese Fragen über einen Umweg formuliert. Denn auf den ersten Blick gibt die Szene ein sehr harmonisches, einfaches Leben im Township wider. Auf der Ebene der Primärfarben – blaue Hütte, gelber Hut, grüner Eimer, pinkes Kleidchen – kommuniziert die Aufnahme klare Kontraste und Schemen. Die inhaltliche Beziehung der Mutter zu ihrem Kind ist durch das archaische Prinzip der Sorge gekennzeichnet. Das Kind selbst spielt versunken und glücklich. Drittens dann die architektonische Einfachheit der Behausung, die so genannten Streichholzschachteln, die eine mehrheitlich schwarze Bevölkerung bewohnt. Auch hier verweist Armut auf ein hartes, aber einfaches Leben.

Doch das Konstruktionsprinzip der Arbeit bedient die Einfachheit und Harmonie nur vordergründig, um sie zu komplizierter Widersprüchlichkeit zerfallen zu lassen, sobald sie beim Betrachter angekommen ist. Denn erst im Kontrast zwischen fotografischer Inszenierung, gesellschaftlicher Wirklichkeit und kritischer Imagination entfaltet sich die Stärke der Aufnahme, ihr kritisches Potenzial. Man wird angesichts der fast idyllischen Szenerie einer besorgten Mutter um die angemessene Garderobe ihres spielenden Kindes erst so richtig auf die harte Wirklichkeit in Soweto verwiesen. Soweto, das als Abkürzung für South Western Townships steht und eine der vielen Elendsviertel Südafrikas ist, bekommt in Kraffczyks Arbeit gerade durch die Abwesenheit der üblichen Klischees über Armut und Gewalt einen kritischen Gehalt. Es drängt sich nach längerem Betrachten fast zwangsläufig die Frage auf, was diese Idylle so vordergründig und prekär macht und wieso auch zwanzig Jahre nach dem Ende der Apartheid Menschen immer noch so leben müssen?

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